28. Theaterwoche

Der Boden übersät mit Flaschen, an den schwarzen Wänden Reste von Tapeten, ein paar Stühle - ein unwirtlicher, seltsam geheimnisvoller Raum. So präsentiert sich die Bühne in der Staatl. Berufsschule I Kempten zur jährlich stattfindenden Theaterwoche.

Heuer zeigte das Theater-Ensemble „Gegensatz“ an drei aufeinanderfolgenden Tagen vor insgesamt über 1000 Berufsschülern das Stück „Alkohol“ von Autorin und Regisseurin Edina Meizel.
Nach und nach füllt sich die Bühne mit Menschen. Sie wissen nicht wie sie hier her gekommen sind und wie sie den Raum wieder verlassen können. Unsicherheit, Angst, Ratlosigkeit breiten sich aus. Anfangs noch sehr distanziert öffnen sie sich mehr und mehr und erkennen bald ihre Gemeinsamkeit: die Alkoholsucht. 

Da ist der verwahrloste Junkie (Nico Bollwein), der sich tagelang im Delirium befindet, eine schillernde, doch insgeheim leidende Drag Queen (André Montalbano), außerdem die junge Einstiegstrinkerin (Mandy Stützer). Ebenso zwei Schwestern (Alexandra Nunner, Carla Blumenröther) aus zerrüttetem Elternhaus und das keifende Ehepaar (Sandra Müller, Klaus Hackenberg), das einen großen Verlust mit Hilfe des Alkohols verarbeiten will. 
Die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles ist sehr beachtlich. Die Dialoge fliegen wie Pingpongbälle. Videoeinspielungen und Lichteffekte erzielen Wirkung.

Es ist ein äußerst aktuelles Thema, das die Autorin Edina Meizel in ihrem Schauspiel verarbeitet. Viele Jugendliche greifen regelmäßig zu Alkopops, Bier und Wein, haben bereits Erfahrungen im Binge-Trinken und finden das so genannte Vorglühen total „cool“. Den oberlehrerhaft erhobenen Zeigefinger, die ausschweifende Moralpredigt sucht man aber vergebens – einzig durch das eindringliche Aufzeigen der einzelnen Schicksale werden die Schüler in die Problematik gezogen. Das Stück findet den direkten Weg unter die Haut und fordert das Publikum zur Selbstreflexion heraus.